Radon ist ein radioaktives Edelgas, das aus dem natürlichen Zerfall von Uran im Erdreich entsteht. Es ist farb-, geruch- und geschmacklos und kann daher ohne spezielle Messgeräte nicht wahrgenommen werden. Die Konzentration von Radon variiert stark in Abhängigkeit von geologischen und klimatischen Bedingungen sowie von baulichen Gegebenheiten. Radon in Luft und Wasser: Die Bedeutung von Radon als Umweltfaktor liegt vor allem in seiner Fähigkeit, in Wohn- und Arbeitsräumen hohe Konzentrationen zu erreichen, was langfristig gesundheitliche Risiken mit sich bringen kann.
Radon wird kontinuierlich aus dem Boden freigesetzt und gelangt in die Atmosphäre, wo es sich mit der Luft vermischt und meist rasch verdünnt wird. Die durchschnittliche Radonkonzentration in der Aussenluft beträgt in der Schweiz etwa 10–20 Bq/m³. In Innenräumen hingegen können Werte auftreten, die um ein Vielfaches höher sind. Die Radonverteilung in der Atmosphäre wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst:
Während sich Radon in der Aussenluft relativ rasch verdünnt, kann es in Innenräumen in hohen Konzentrationen akkumulieren. Der Haupteintrittsweg für Radon ist der Boden unterhalb von Gebäuden. Es dringt durch Risse im Fundament, undichte Stellen an Rohrdurchführungen oder über nicht abgedichtete Kellerräume in Gebäude ein. Eine zusätzliche Rolle spielt der sogenannte “Kamineffekt”: Warme Raumluft steigt auf, wodurch im Keller oder Erdgeschoss ein Unterdruck entsteht, der Radon aus dem Untergrund ansaugt.
Unterschiedliche Gebäudetypen und Bauweisen beeinflussen die Radonakkumulation:
Die nachfolgende Tabelle veranschaulicht die typische Spannbreite der Radonkonzentrationen in verschiedenen Umgebungen:
Umgebung | Radonkonzentration (Bq/m³) |
Aussenluft | 10-20 |
Erdgeschoss | 50-200 |
Keller | 100-1000 |
Gebäude in Risikogebieten | 500–3’000+ |
Neben der Luft kann Radon auch in Wasser gelöst sein, insbesondere in Grundwasserreservoirs. Beim Gebrauch von radonhaltigem Wasser – etwa beim Duschen oder Kochen – kann Radon in die Raumluft übertreten. Die Radonkonzentration im Wasser ist jedoch in der Regel geringer als die Exposition durch Luft. Dennoch kann in Gebieten mit hoher Radonbelastung im Untergrund die Nutzung von Brunnenwasser eine zusätzliche Expositionsquelle darstellen.
Die Bestimmung der Radonkonzentration erfolgt mit verschiedenen Messtechniken:
Radon ist als krebserregender Stoff eingestuft. Langfristige Exposition kann insbesondere Lungenkrebs verursachen. Studien zeigen, dass Radon nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs ist. Radon selbst ist zwar ein Edelgas und relativ chemisch inert, doch seine Zerfallsprodukte – insbesondere Polonium-218 und Polonium-214 – sind hoch radioaktiv und lagern sich an Staubpartikel an, die eingeatmet werden. Dies führt zu einer direkten Strahlenexposition des Lungengewebes.
Laut Schweizer Bundesamt für Gesundheit (BAG) liegt das Risiko für Lungenkrebs bei einer dauerhaften Radonexposition von 200 Bq/m³ etwa 25 Prozent höher als bei normaler Exposition. Besonders gefährdet sind Raucher, da sich die schädlichen Effekte von Tabakrauch und Radon gegenseitig verstärken.
Um das Risiko zu minimieren, hat die Schweiz Grenzwerte für die Radonbelastung festgelegt:
Empfohlene Massnahmen zur Reduktion einer erhöhten Radonkonzentration umfassen:
Radon stellt eine ernstzunehmende, aber kontrollierbare Umweltbelastung dar. Durch gezielte Messungen, bauliche Massnahmen und bewusste Lüftungsstrategien kann die Radonkonzentration in Wohn- und Arbeitsräumen signifikant reduziert werden. Insbesondere in Regionen mit erhöhten geologischen Radonfreisetzungen sollten Haushalte regelmässige Messungen durchführen, um potenzielle Gesundheitsrisiken frühzeitig zu erkennen. Die Wissenschaft bietet heute umfassende Erkenntnisse zur Radonverbreitung und effektiven Gegenmassnahmen – eine informierte Bevölkerung kann dieses Wissen nutzen, um ihre Gesundheit langfristig zu schützen.
Radon tritt je nach geologischer Beschaffenheit unterschiedlich stark auf. Regionen mit hoher Uran- oder Radiumkonzentration im Boden setzen mehr Radon frei als andere Gebiete. Auch die Bodenart spielt eine Rolle: Poröse Böden lassen Radon leichter entweichen als dichte Tonböden.
Radon dringt primär aus dem Erdreich in Gebäude ein. Da Keller direkt mit dem Boden in Kontakt stehen und oft schlecht belüftet sind, reichert sich dort besonders viel Radon an. In höheren Stockwerken verdünnt sich das Gas durch den Luftaustausch stärker.
Während der Heizperiode im Winter sind die Radonwerte meist am höchsten. Geschlossene Fenster und Türen reduzieren den Luftaustausch, wodurch sich Radon stärker ansammelt als in den wärmeren Monaten, in denen häufiger gelüftet wird.
Radon hat eine Halbwertszeit von etwa 3,8 Tagen. Das bedeutet, dass sich die Konzentration innerhalb weniger Tage deutlich reduzieren kann, wenn keine neue Radonquelle nachströmt oder die Luft regelmässig ausgetauscht wird.
Radon kann in Grundwasser in relativ hohen Konzentrationen vorkommen, da es sich dort nur langsam verflüchtigt. In Oberflächengewässern und Meeren hingegen entweicht Radon schnell in die Atmosphäre, sodass die Konzentrationen dort meist sehr niedrig sind.